Zum fahren benötigt man einen Führerschein … Rise of the “Medienführerschein”

zum surfen aber bald auch… ganz so schlimm wird es glücklicherweise nicht werden, aber unser lieber Papa Staat geht langsam in diese Richtung. Jedenfalls wenn es nach dem Bayerischen Staatskanzlei Chef Siegfried Schneider geht. Er schlug im April vor, dass Kinder und Jugendliche einen Medienführerschein bewältigen sollen.

Der Sinn dahinter ist folgender: Kinder sollen frühzeitig den Umgang, die Gefahren und Tücken des Internets kennenlernen. Wer jetzt denkt, dass es lediglich um das surfen geht - weit gefehlt. Antrieb für diesen Ansatz des Medienführerscheins sind natürlich auch die weit gefürchteten "Killerspiele". Kinder sollen so schon früh sensibiliert werden, dass Killerspiele keinen Einzug mehr in das Kinderzimmer finden bzw. finden sollen.

Mit dem Medienführerschein sollen Kinder und Jugendliche ebenfalls lernen "souverän und verantwortlich" mit den Chancen umzugehen, die ihnen das Internet gibt. Dank Deutscher Genauig- und Detailverliebtheit gibt es den Medienführerschein in 4 "Führerscheinklassen". Von Vorschulkindern bis 12-18 Jährige - an jeden wird beim Medienführerschein gedacht. Die Inhalte sollen dementsprechend angepasst werden. Damit auch ein Mitmacheffekt erreicht wird, will man auch Zertifikate in mehreren Stufen einführen.

So gut die Grundidee des Medienführerscheines sein mag, ich persönlich habe nie eine so Steuergeld-verschwendende Idee von einem Staatsvertreter gehört. Wieso ich so denke? Sehen wir mal die Sache mit dem Medienführerschein so wie sie und fangen noch einmal von vorne an:

Schulen bzw. Lehrer sollen im Unterricht den Schülern beibringen souverän und sinnvoll mit dem Internet umzugehen. Sogar an diesem Punkt entstehen bereits erste Probleme mit der Idee vom Medienführerschein. Gehen wir zunächst einmal vom Standpunkt "Kompetenz" aus.

Viele Lehrer sind aufgrund Ihrer Dienstjahre im Schulbertrieb auf eine gewisse Schiene eingefahren. Viele nutzen das Internet sogar selber nur um z. B. Email abzuholen. Bei vielen war es das dann aber auch schon. Ich möchte sogar so weit gehen und in den Raum stellen, dass viele Schüler im Alter von 14-18 Jahre den Lehrkräften in Sachen Internet-Kompetenz einen sehr großen Wissensvorsprung haben. Das Problem liegt aber mit Sicherheit nicht bei den Lehrkräften selber (ohne Lehrer wären wir alle doof ;) ) sondern daran, dass beide Parteien in unterschiedlichen Generationen geboren wurden.

Die heutige Jugend wird direkt in diese Richtung hineingeboren. Wenn man mal eben etwas für Deutsch braucht - wusch - Google hat eine Antwort. Man sucht z. B. bestimmte Literatur für den Unterricht - zack - Amazon hat es. Es haben sich eben viele Namen etabliert, die Kinder schon im jüngsten Alter kennen. Ebenso ist es erwiesen, dass es der heutigen Generation leichter fällt sich in neue Metiers einzuarbeiten wie der älteren Generation.

Ein andere Frage ist, wieso man um alles in der Welt in der Vorschule schon mit dem Medienführerschein anfangen muss? Sollte man in dieser Zeit nicht lieber schon gezielt Lernschwierigkeiten von Kindern aus dem Weg räumen? Ich mein in dieser Zeit lässt sich bestimmt schon feststellen, ob ein Kind in irgendeiner Richtung eine Schwäche aufweist. Mit dem Medienführerschein wird hier meiner Meinung nach wichtige Zeit einfach weggenommen, welche sinnvoller genutzt werden könnte.

Das ganze zieht sich in den späteren Schuljahren fort. Anstatt man vielleicht lieber 1-2 Stunden sinnvollen Unterricht macht, müssen Lehrer Schülern Sachen beibringen, welche das ohnehin schon wissen. Ob durch den Medienführerschein das Surfverhalten der Jugendlichen verbessert wird sei dahingestellt. Die Verlockungen im Web sind schlechtweg zu groß als das man mit einem "Medienführerschein" alle Bereiche abdecken kann. Das Problem liegt klar auf der Hand - die Technik geht weiter - der Unterricht hingegen wird wohl wie soviel im Lande standardisiert. Ein Grundwissen sozusagen. Ich denke eine allgemeine Plattform wäre hier sinnvoller und vor allem wesentlich schneller realisiert und noch wichtiger - aktualisiert.

Auf diese Art muss natürlich alles durchgeplant und vor allem auch denen vermittelt werden, welche den Inhalt des Medienführerscheins vermitteln. Ein weiteres Problem ist es natürlich auch, dass meist auch die Eltern nicht dieselben Kompetenzen haben wie Ihre Kinder. Viele Eltern sind mit dem Thema Netz und Technik meist nicht annähernd so vertraut wie die Zöglinge.

Alles in allem finde ich den Medienführerschein so unnütz wie Pickel. In meinen Augen hätte man die Kosten welche die ganze Aktion "Medienführerschein" mit sich bringt lieber direkt in das Bildungsbudget gesteckt, als so eine Aktion durchzuführen. Politiker sollten hier natürlich Vorbild sein, aber man weiß dass diese auch nicht unbedingt kompetent sind. Mein Tip an die Politiker: Macht doch bitte erst einmal einen Beta-Test Eures Medienführerschein und bringt bitte nicht fadenscheinige Gründe wie "Killerspiele sind böse" um Steuergelder sinnlos auszugeben. Das Internet ist zu komplex um das in einem "Medienführerschein" zu packen.

Wie seht Ihr die ganze Geschichte um den "Medienführerschein"? Sinn oder Unsinn? In diesem Sinne

Euer seo-geek

Daniel


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